BASTARD ASS ( I ) FROM HELL
von Florian Schiel
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T e i l 1 |
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B.A.f.H. |
Ich werfe meinen Monitor an und schmeisse gleichzeitig die triefende Jacke in Richtung Regal. Die Jacke verfehlt
wie immer den Pfosten und gleitet wie ein nasser Putzlumpen zu Boden, wo sich sofort eine Pfütze bildet. Ich
lasse sie dort liegen. Sch...wetter! Weil es so kalt in meinem Büro ist und weil die Uni-Leitung offensichtlich
zu geizig ist, mein Büro anständig zu heizen, schalte ich alle elektrischen Geräte an, die ich finden
kann - auch die, die nirgends angeschlossen sind, auch die, bei denen nur noch das Netzteil und der Lüfter
funktionieren. Ich schaue im Kalender nach, was heute ansteht: Zwei Studenten haben sich für die Studienberatung angemeldet. Hm, na gut, was soll's! Es ist Freitag morgen und ich bin gut gelaunt. Ich schicke also ausnahmsweise nur dem am Vormittag per mail eine Absage. Das gibt mir Zeit zum Frühstücken in der Kantine. Der Chef kommt erst in einer Stunde. Als ich zurückkomme, hängt ein Zettel an meiner verschlossenen Türe. Dann fahre ich die Schutzschilde aus, mein bewährtes Pappschild mit der Aufschrift 'Versuch läuft - Bitte nicht eintreten', und schließe die Türe hinter mir. Früher war ich noch so naiv, einen Schild rauszuhängen mit 'Bitte nicht stören' drauf. Das Resultat war, daß die Sekretärinnen - wir haben zwei, eine junge Hübsche und ... aber lassen wir das - also die Sekretärinnen konnten dann erst recht nicht die Finger von der Klinke lassen. Wer weiß, was die sich in ihrer überhitzten Phantasie ausgemalt haben. Jetzt bin ich schlauer geworden. JEDER, der hier schon länger als 7 Tage arbeitet, hat schon einmal einen wichtigen Versuch versaut, weil er einfach durch eine geschlossene Türe hereingeplatzt ist - und wurde daraufhin vom aufgebrachten Versuchsleiter fast umgebracht. Ohne Psychologie kann man hier nicht überleben. Zumindest kann man nicht ANGENEHM überleben. Ich bin gerade in alt.startrek.gossip.sexual.embarrasment, als das Telefon läutet. Meiner Meinung nach
gehören Telefone sowieso abgeschafft. Wo bleiben meine Grundrechte? 'BIG BROTHER IS WATCHING YOU', das ist
mein Telefon! Nichts anderes! Email kann man wenigstens zurückschicken, mit der Angabe: 'cannot deliver mail
- user got killed'.
Etwas schweigt verblüfft am anderen Ende. Ich lege auf. Zwölfeinhalb Sekunden später versuchen sie's nochmal. Das ist immer so. In ihrer grenzenlosen Dummheit glauben sie, daß sie sich vertippt haben. Um sie in ihrem Glauben zu bestärken, melde ich mich diesmal mit:
"Äh..." "Ja?" Ganz zuckersüß. "Ich glaube, ich bin falsch verbunden...." "Was Sie nicht sagen! So früh am morgen schon? Vielleicht probieren Sie es einfach noch einmal?"schlug ich vor, durch und durch hilfsbereit. "Ah, ja", sagt sie erleichtert. Dann besinnt sie sich auf ihre gute Kinderstube."Entschuldigen Sie bitte die Störung." "Aber das macht doch nichts..." Ich überlege, ob die Stimme für eine Einladung auf eine Tasse Kaffee sexy genug klingt. Aber dann
lege ich doch auf. Keine Verabredungen mehr ohne vorheriges X-Picture, das habe ich mir geschworen.
Es klickt fast sofort. Gut, das dürfte eine Weile vorhalten. In der group ist gähnende Leere. Also gehe ich ins WWW und lade mir die Bilder von zwei Doktoranden von
uns herunter, denen gerüchteweise eine Beziehung nachgesagt wird. Mit Hilfe von Photoshop und den Bildern
bringe ich die endlose Zeit bis zum Mittagessen hinter mich. Das Ergebnis, etwas schlüpfrig, aber vom Inhalt
gar nicht so unwahrscheinlich, linke ich unter den Key 'Aktuelle Informationen zum Lehrangebot' in unsere Home
Page, und schicke eine Mitteilung an alle User, daß es wichtige neue Mitteilungen in der Home Page gibt.
Nach dem Mittagessen checke ich den Zugriffszähler auf unsere Home Page. Gar nicht schlecht. Eine Zunahme um 16000 % in den letzten zwei Stunden. Gut für unsere Netz-Statistik. Der Chef wird sich freuen! In der Workstation piept es zweimal und ich entferne meinen Schutzschild von der Türe. 14 Uhr, da macht
der Chef immer seine Runde. Ich aktiviere das 'Working Window' an meiner Workstation, ein Dummy-Schirm mit mindestens
40 verschiedenen bunten Fenstern, die chaotisch übereinanderliegen. Die einfachste Methode, blutschwitzenden
Hyperstress zu demonstrieren.
Ich ordne ihn unauffällig weiter hinten wieder ein. Vielleicht fällt er mal aus Versehen mal in den Reißwolf. Der Chef schaut mir kurzsichtig über die Schulter und atmet mir in den Nacken. Ich schüttele den Kopf.
Ich denke, daß er denkt: "Dann kann ich ja heute nachmittag doch zum Tennisspielen gehen." Und ich denke für mich ganz alleine: "Sobald du weg bist, bin ich auch weg!" Ich will gerade gehen, als es zaghaft klopft. An meiner Türe. Freitag Mittag.
"Äh", sagte es zögernd, "ich hatte mich angemeldet, zur Studienberatung..." Ich bitte das Jüngelchen herein und zu platzen. Es setzt sich ganz vorne auf die Kante und blickt beeindruckt auf die vielen Meßgeräte und Rechner. Dann sage ich:
"Häh? Umgetan?"
"Da seid ihr auf der rechten Spur", unterbreche ich den Studenten in spe. "Doch müßt Ihr Euch nicht zerstreuen lassen. Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen. Ach!" Als ich die Augen wieder öffne, hat das Jüngelchen bereits die Hand an der Türklinke.
Entschuldigen Sie bitte..."
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