von Florian Schiel
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Es regnet. Es schüttet geradezu. Der Wettermann im Radio ist der
Meinung, daß es 'für diese Jahreszeit zu kalt' sei. Der Akku im
Rasierapparat ist leer, und ich kann das Kabel zum Aufladen nicht
finden. Mein rechter Weisheitszahn ist wieder entzündet und pocht vor
sich hin. Im Radio spielt jemand Variationen zu Chopins
'Trauerweide', und als ich den ersten Schluck Kaffee nehme, merke
ich, daß ich Zucker mit Salz verwechselt habe.
Es ist so perfekt, daß ich ein Lächeln nicht unterdrücken kann.
Es ist MONTAG, der DREIZEHNTE.
Im Büro schalte ich den PC erst gar nicht ein. Auf meinem Linux
häufen sich schon genug Schadensmeldungen. Eine Workstation hat
sich um 0:07 Uhr mit Platten-Crash verabschiedet. Das Subnetz im
großen Labor ist heute morgen bereits zweimal abgestürzt;
wahrscheinlich wieder ein Wackelkontakt im CheapWire. Als ich sehe,
daß heute Nacht sämtliche Backups wegen Netzversagens
fehlgeschlagen sind, kann ich ein irres Lachen nicht mehr
unterdrücken.
Ich höre, wie sie weiter in Richtung Sekretariat stöckelt und die Türe
öffnet. Dann - ein spitzer Schrei, ungefähr im zweigestrichenen D.
"Wer?" faucht Frau Bezelmann und schaut mich giftig an. Zum ersten Mal fällt mir auf, daß ihre gelbe Augenfarbe ziemlich genau mit der des Raben übereinstimmt. "Nero. Ich hätte nie gedacht, daß ein Rabe so eine Verwüstung anrichten kann..."
"Hier ist der Beweis", verkündet sie triumphierend und hält mir ihren Fund unter die Nase. "Nero ist schon immer zuerst auf die Optik losgegangen. Ein erfahrener Kämpfer."
Was für ein Pechvogel, denke ich. Ausgerechnet am Montag den
Dreizehnten ein Büro knacken, in dem sowieso kein Pfennig zu finden
ist. Und dann trifft er auch noch auf diesen Killerraben.
Auf dem Gang ertönt ein erschrockener Aufschrei gefolgt von einem
lauten Scheppern und Krachen. Ich springe zur Türe. Der Chef hängt
halb auf dem Kopierer, die Brille verrutscht, und klammert sich an der
Bedienungskonsole fest. Der Kopierer reagiert mit massenweisem
Ausstoß von weißen Papier.
Währenddessen schiebe ich mich unauffällig an der Wand entlang zur
Türe, um zu verschwinden, bevor mir noch irgendwelche
Aufräumarbeiten aufgehalst werden können. Als ich zurück zu meinem
Büro eile, stolpere ich wieder über etwas. Es ist ein Kopierkarton. Ich
schiebe den Karton unter den Kopierer, als mir plötzlich ein Verdacht
kommt. Ich gucke unter den Kopierer: nur ein Karton steht da.
Na warte, denke ich. Montag der Dreizehnte hin oder her, man muß sich ja nicht alles gefallen lassen! Ich besorge mir Teppichklebeband aus der Werkstatt und mache mich daran, den widerspenstigen Karton unter dem Kopierer auf den Fußboden zu kleben. Plötzlich merke ich, daß jemand neben mir steht und mir zuguckt. Es ist Marianne.
"Ich sichere den Karton gegen Diebstahl", sage ich ruhig.
"Ich sagte ja auch nicht, daß ich das Papier sichern will, sondern den Karton", erkläre ich und stehe auf."Es macht ja wohl auch wenig Sinn, das Papier am Boden festzukleben, oder?"
Kleine Geister, denke ich verächtlich. Was wären sie ohne mich?
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