von Florian Schiel
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Ich sitze in meinem Büro und grüble über dem Sinn meines Daseins als
B.A.f.H. nach.
Nicht daß das ein ungelöstes Problem darstellen würde. Oh, nein! Hier
steht es schwarz auf weiß im 'Kompendium für den Feldeinsatz als
Bastard X', Kapitel I 'Allgemeines', Unterpunkt 3 'Sinn des Daseins
als Bastard X from Hell', Absatz 2:
So steht es hier, und ich sitze und grüble darüber. Weiter hinten in
Kompendium wird das mit den Asymmetrien anhand von Beispielen
noch etwas erläutert:
Wenn man auf unsereins gehört hätte - aber das war damals auch schon
nicht anders als heute: wer hört schon auf die Vernünftigen, frage ich
Sie - wenn man also damals auf unsereins gehört hätte, dann wäre jetzt
die Schöpfung um einiges symmetrischer angelegt.
Weg mit der schwachen und starken Kernkraft, die nur die ganze
Physik versauen. Gravitationswellen, Quantenmechanik, du lieber
Himmel! Alles völlig überflüssig, wenn man sich anfangs nur mehr
Gedanken gemacht hätte. Dann gebe es jetzt auch ein vernünftiges
Verhältnis von Guten und Bösen. Schön symmetrisch, verstehen Sie?
Bleibt also noch die Moral, der Charakter. Das war auch so ein
gefühlsduseliger Unsinn. Lauter nette Leute sollten es werden, und
was dann? Wie soll das enden! Haben Sie schon mal einen Verein
zufriedener Kleingärtnerverbandsmitglieder gesehen, die was voran
gebracht haben? Die Unzufriedenen sinds, die was bewegen! Oder
glauben Sie vielleicht, die Spülmaschine wurde von einem erfunden,
der voll und ganz mit seinem Weltbild zufrieden war?
Aber gemerkt haben die sauberen Herrschaften aus den oberen Etagen
das erst, nachdem die Neanderthaler einige zehntausend Jahre zufrieden
in ihren kalten Höhlen gesessen und an ungekochten Jamwurzeln
genagt hatten - und immer noch keinerlei Anstalten gemacht hatten,
auch nur ansatzweise etwas so Fortschrittliches wie eine Spülmaschine
anzugehen.
Also wurde unsereins zähneknirschend beauftragt, ein wenig Schwung
in die Sache zu bringen. Stellen Sie sich das bloß nicht so leicht vor!
Wie gesagt: Glauben Sie ja nicht, daß das eine leichte Aufgabe ist! Gut
zu sein ist einfach. Das Prinzip Neanderthaler funktioniert auch heute
noch prima: Laßt uns einfach die Hände in den Schoß legen und
vergeßt bloß die Spülmaschine, dann wird schon alles gut!
Das Telefon klingelt.
Das bedeutet, daß der bescheuerte Techniker schon wieder die Orginal-
Software in unsere ISDN-Anlage eingespielt hat. Meine Version der
Software leitete nämlich zur Zeit alle Anrufe, die an meine
Nebenstellennummer gerichtet sind, an eine einschlägig bekannte
Nummer auf den Philippinen weiter.
Ich hebe ab.
"Hallo, spreche ich mit Herrn Leisch?" sagt sie an anderen Ende. "Ja", sage ich. "Mein Name ist Hinterhuber von der Agentur Weissois in München. Wir machen eine repräsentative Telefonumfrage zur Ermittlung von Einschaltquoten. Wären Sie bereit, mir einige Fragen zu beantworten?" "Ja", sage ich, genau mit den drei Sekunden Verzögerung, die Frauen wahnsinnig machen kann. "Äh, gut. Zunächst..." "Wie halten Sie das eigentlich mit dem Datenschutz?" unterbreche ich sie. "Datenschutz?" "Ja. Ich möchte wissen, wie Sie dafür sorgen, daß mein Name nicht nach Ihrer Befragung in allen möglichen Adreßdateien landet." "Nun, äh... unsere Befragungen sind natürlich immer anonym", sagt sie. "Dann möchte ich mal wissen, woher Sie meinen Namen kennen", sage ich.
"Eben", sage ich, "folglich bin ich für Sie bereits nicht mehr anonym." "Aber... aber ich vergesse das doch gleich wieder... ich wollte sagen, Ihr Name wird doch nirgends festgehalten..." "Sie wollen also damit sagen, Sie haben mich einfach blind aus dem Telefonbuch herausgepickt, ohne daß mein Name und meine Telefonnummer irgendwo notiert worden wären?" "N...nein. Ich habe schon eine Liste", gibt sie zögernd zu. "Schließlich sollen die Befragten ja repräsentativ sein..." "Na, bitte!" "Aber mit der Telefonnummer kann man doch noch nicht viel anfangen", versucht sie sich bei mir wieder einzuschmeicheln. "Dann geben Sie mir mal Ihre", antworte ich unbeeindruckt und schiebe die D1 ins CDROM-Laufwerk. "Wie bitte?" "Geben Sie mir Ihre Telefonnummer. Wenn man damit nichts anfangen kann, können Sie mir doch bedenkenlos Ihre Privatnummer geben, oder?"
"Hm. Ok, ich mach' trotzdem mit", sage ich.
"Hm... also lassen Sie mich mal nachdenken. Nachrichtensendung, tja... ich würde sagen... wie waren nochmal die Kategorien?"
"Krimis waren gar nicht gefragt." "Oh... äh, was war nochmal gefragt?" "Nachrichtensendungen..." "Richtig. Die beiden verwechsele ich immer. Also Nachrichtensendungen... Nachrichtensendungen... also ehrlich gesagt, ich kann mich an keine erinnern. Sagen wir also mal: weniger als eine im Monat." "Sind Sie sicher?" kommt es durch die Leitung. "Absolut", antworte ich, "und Sport und Talkshows habe ich noch nie gesehen."
"1 und 0", sage ich. "Wie bitte?" "1 Person und 0 Fernseher", erläutere ich genüßlich. Frau Roswita Hinterhuber keucht hörbar ins Telefon.
"Nein." "Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?!!" "Sie haben mich ja nicht gefragt. Äh... gehört das jetzt immer noch zu Ihrer Umfrage?"
Gut. Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, also unsere Tätigkeit
erfordert Phantasie, ständige Wachsamkeit, Flexibilität, ...
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