von Florian Schiel
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An meinem Data-Glove ist ein Stecker abgebrochen, was zur Folge hat,
daß ich den Steuerknüppel in SpaceSpiders III 1/2 nur noch von links
nach rechts bewegen kann. Nachdem zum dritten Mal eine fette gelbe
SpaceSpider mein Raumschiff hoffnungslos umsponnen hat, gebe ich auf. Ich fahre die Schilde hoch und begebe mich gemächlich hinunter in die Werkstatt der Haustechnik, um den Schaden am Data-Glove zu beheben. In der Ecke der Werkstatt sitzt eine aufgeschlagene BILD-Zeitung neben einer halb geleerten Flasche Bier. Ohne sie weiter zu beachten, werfe ich die Lötstation an und gehe hinüber zum Materialschrank, um nach einem passenden Ersatzstecker zu suchen.
Ein Neuer! Ah-Oh!
Er betrachtet das Ding wie ein besonders widerliches Insekt, das sich auf der Windschutzscheibe seines Rolls Royce zerbatzt hat.
Ich mache eine Zwischenstop in der Tiefgarage und schiebe alle Wagen,
bei denen die Handbremse nicht angezogen ist, aus ihren Boxen. Ein
hübsches Durcheinander.
Zurück in meinem Büro ignoriere ich das hektisch klingelnde Telefon - ich
kann mir schon denken, wer dran ist - und rufe statt dessen über die
Modemleitung die Metzgerei um die Ecke an. Der Angestellte dort ist
zuerst etwas verblüfft, aber dann freut er sich natürlich, daß die
Stammkundschaft in der Haustechnik anstatt wie üblich zwei Pfund ab
morgen zwanzig Pfund Leberkäse beziehen wird. Außerdem erkläre ich
ihm überzeugend, daß Bier am Arbeitsplatz von nun an nicht mehr
angebracht sei und er doch bitte von nun an zur Brotzeit Eistee mit
Maracuja-Geschmack liefern solle.
Im Sekretariat erkundige ich mich nach den blauen Formularen für
Reparaturaufträge. Frau Bezelmann deutet auf die entsprechende
Schublade, ohne den konzentrierten Blick von ihrem neu aufgerüsteten
Mac zu wenden. Wieder einmal bemerke ich mit Befriedigung, daß unsere
Mitarbeiter moderne Bürotechnik zu schätzen wissen.
Mit Hilfe des Computers im Universitätsbauamt - ein mies geschützter
uralter HP; aber er hängt wenigtens am Netz - suche ich die
Zimmernummern der an schwersten zugänglichen und am weitesten
entfernten Räume im ganzen Campus heraus. Dann fülle ich sorgfältig und
genüßlich 36 Reparaturaufträge für flackernde Neonlampen, überflutete
Klospülungen, kaputte Klimaanlagenregler, zerbrochene
Telefonanschlußdosen, tropfende Wasserhähne, fehlende Türklinken,
verbogene Fensterbrettabtropfnasen, festgefahrene Jalousien, fehlende
Heizkörperventilkappenthermostate, tote Datennetzzugänge und verstopfte
Entlüftungsschächte aus.
Dann lehne ich mich entspannt zurück und lausche noch eine Stunde dem
periodisch wiederkehrenden Klingeln des Telefons.
Gegen halb vier, kurz bevor ich mich in den wohlverdienten Feierabend
verabschieden möchte, klopft es zaghaft an der Türe. Der stellvertretende
Werkstattleiter der Haustechnik steht draußen. Es schwitzt, daß ihm die
Soße aus den Augenbrauen tropft, und er hält krampfhaft eine hübsch
verpackte Magnum umklammert.
Gemeinsam lassen wir feierlich die 36 blauen Reparaturformulare in Frau Bezelmanns neuen Reißwolf, Marke 'Final Extinction', verschwinden. Auf dem Heimweg denke ich noch, daß eine solche Magnum doch ziemlich schwer ist.
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