von Florian Schiel
36 |
Der Chef meint, ich müsse etwas für meine Hochschul-Karriere tun, und
hat mich zu einem Hauptseminar verdonnert.
Dings, na! die Studenten von Ihrer... äh... Einführungs-Veranstaltung... äh... ja, ganz begeistert sind..."
Als ich den Chef frage, über welches Thema ich ein Hauptseminar
veranstalten solle, meint er, ich solle mir was Interessantes einfallen
lassen.
Die Wahl eines geeigneten Themas kann für den Erfolg einer
LEERveranstaltung entscheidend sein - soviel habe ich schon gelernt. Um
mir also allzuviel Stress zu ersparen, kündige ich mein Hauptseminar wie
folgt an:
Bei der Einführungsveranstaltung, da Pflicht für alle Drittsemester, liegt
der Fall nicht so einfach. Aber der Chef hat nicht ganz unrecht: ich finde
daran sogar so etwas wie Gefallen (obwohl es natürlich mit anstrengender
Arbeit verbunden ist!).
Gleich in der ersten Stunde frage ich, wer von den Anwesenden im letzten
Semester durchgefallen ist, also diesmal die letzte Chance hat, das
Vordiplom noch zu bestehen. Die Namen derer, die so dumm sind, die
Hand zu heben, merke ich mir speziell für die Abschlußprüfung vor.
Dann lasse ich eine Liste herumgehen, wo die Studenten ihre email-
Adressen eintragen sollen, damit sie von mir Unterrichtsmaterial beziehen
können. Schließlich sind wir ein sehr fortschrittlicher LEERstuhl.
Danach beginne ich ohne weitere Verzögerung mit dem umfangreichen
Stoff. Ich verwende in dieser Vorlesung meine bewährte 'Wechselbad-
Didaktik': in den ersten Stunden heize ich den StudentInnen (da wars
wieder!) so ein, daß später niemand sagen kann, ich hätte sie nicht
gefordert. Den Rest des Semesters verbringe ich mit läppisch-seichten
Zahlen-Spielereien, um dann in der Abschlußprüfung wieder voll
zuzuschlagen.
Die Zeit schreitet voran und schon nach der ersten akademischen Stunde
habe ich die gesamte Schulmathematik als 'banale Trivialitäten' an die
Tafel geworfen und so schnell wieder abgewischt, daß niemand die
Chance hatte, es mitzuschreiben. Der Angstschweiß steht meinen Hörern
schon auf der Stirne, als ich locker sage:
Ein Student wagt es, eine absolut triviale Frage zu stellen. Ich ermahne ihn
nachsichtig, seine Fragen für die wirklichen Probleme aufzusparen.
Eine besonders hartnäckige Studentin tritt mir in den Weg, als ich mich
endlich in die Cafete absetzen will.
Sie können das alles im 'Klöber/Meindl' nachlesen, im Kapitel über rotierte Laplace-Koeffizienten."
Auf dem Weg in die Cafete überlege ich flüchtig, wie lange sie wohl
braucht um festzustellen, daß ein Buch dieser Autoren gar nicht existiert.
Auf alle möglichen Fragen eine Antwort wissen -
|