BASTARD ASS ( I ) FROM HELL
von Florian Schiel
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T e i l 18 |
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B.A.f.H.
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Es wird eben Sommer. Glücklicherweise bin ich infolge meiner zweiten Natur gegen große Hitze weitgehend gefeit; lästig wird es nur, wenn einem beim DooM- Spielen dauernd der Schweiß in die Augen läuft. Zuuupf - jetzt ist mein PC schon zu dritten Mal abgeschmiert. Es ist richtig heiß heute. Andererseits erleichtert die Hitze auch vieles. Ich mache meine Runde durch die Labors und breche bei einigen
noch laufenden Workstations auf der Rückseite ein paar Sichtblenden heraus. Bei anderen rücke ich passende
Kartons vor die Lüftungsschlitze oder drapiere herumliegende Kleidungsstücke so, daß sie direkt
vor den würgenden Lüftern hängen. Wieder im Büro rufe ich bei drei verschiedenen Hotlines an und heize den ohnehin schon schwitzenden Dispatchern noch mehr ein. Daher der Name 'Hotline'. Ich drohe mit Vertragskündigung und Regress, wenn sie nicht sofort einen Techniker schicken. Dann schaue ich aufs Thermometer: 43 Grad, nicht schlecht, drei Grad mehr als gestern. Seitdem ich die Anweisungen
des Hausmeisters, daß alle Fenster nachts geschlossen sein müssen, aufs Wort befolge, steigt die Temperatur
seit Tagen kontinuierlich an. Die Anweisung stammt allerdings noch vom 13. Januar. Draußen, im Biergarten der Cafeteria, beginnen sich die ersten StudentInnen zu entblättern. Ich gehe
hinüber ins Optik-Labor und 'leihe' mir eine Digitalkamera aus. In meinem Büro richte ich die Kamera
auf die 'Blondinen-Bank'. Diese Bank, eine an sich unscheinbare Leichtmetallkonstruktion, etwa 20 Meter schräg
unter unseren Institutsfenstern, muß durch irgendwelche uralten Geheimnisse der Inkas oder Ägypter genau
die kosmische Position zur Sonne einnehmen, die braungebrannte, wasserstoffgebleichte Blondinen unwiderstehlich
anzieht. Laut meiner bisherigen Statistik über die Benutzer dieser Bank sind die Ereignisse 'blond', 'weiblich'
und 'braungebrannt' stark signifikant, wogegen das Ereignis 'weitgehend entblättert' immerhin noch signifikant
auf dem 0.005 Level ist. Was täten wir ohne die Statistik! Ich verbinde die Kamera mit unserem WWW-Server, so daß alle fünf Sekunden ein aktualisiertes Bild der Blondinen-Bank in der Home- Page unseres Chefs erscheint. Das ist weitgehend risikolos, da der Chef es noch nie geschafft hat, seinen Net-Browser richtig zu konfigurieren. Um genau zu sein, liegt dies nicht am Chef allein, sondern an einem kleinen nützlichen Cron-Job, der alle zehn Sekunden die Konfigurationsdateien des Browsers im Home-Directory des Chefs wieder durcheinanderbringt. Der erste Techniker taucht auf, um den kollabierenden Server B wieder aufzupäppeln. Als ich ihm die Türe
zum Rechnerraum aufschließe, wabbert uns eine feuchtwarme Welle abgestandener Luft entgegen. Es stinkt nach
zu heiß gewordenem Gummi und Plastikteilen. Von Luftfeuchtigkeit steht nichts in den Spezifikationen. Was der Techniker nicht weiß: Die Skala des Thermometers hat sich infolge des Zusammentreffens mehrerer merkwürdiger Zufälle vor ein paar Jahren einmal abgelöst und wurde von mir mit Superkleber wieder 'repariert'. Eigenartigerweise zeigt das Thermometer seitdem etwa 10 Grad zu wenig an. Es ist heiß heute, richtig heiß. Auf dem Weg zurück ins Büro werfe ich einen Blick ins Sekretariat.
Ich erwidere vorsichtig den starren giftig-gelben Blick des schwarzen Unglücksboten und überlege, ob die notorisch schlechte Laune Neros denn überhaupt noch steigerungsfähig sei. Dann erkläre ich Frau Bezelmann und Nero, der plötzlich den Kopf streckt und aufmerksam zuhört,
daß das Schmelzen von Eiswürfeln aus dem Kühlschrank völlig sinnlos sei, weil die dabei gebundene
Energie beim Erzeugen der Eiswürfel im Eisschrank in Form von Wärme sofort wieder frei werde.
Wir hängen die Zwischentüre zum Chefzimmer aus, die sonst immer abgeschlossen ist, weil Frau Bezelmann
es nicht verträgt, wenn der Chef hinter ihrem Rücken ins Zimmer kommt, und rücken den Kühlschrank
so in die offene Türe, daß er den unteren Teil ausfüllt und die Radiatoren zum Chef hineinragen.
Auf den Eisschrank türmen wir alte Rechnerkartons und verstopfen die verbleibenden Ritzen mit Füllmaterial.
"Ich helfe mal eben Frau Bezelmann", antworte ich wahrheitsgemäß. "Ah, ja... hm", sagt der Chef und betrachtet die Kühlschrank-Karton- Füllmaterial-Konstruktion. "Und... äh... bei was ... äh... helfen Sie Frau Bezelmann?" Frau Bezelmann springt selbst in die Bresche:
Frau Bezelmann deutet auf die ausgehängte Türe, die wir vorerst mal an die Wand gelehnt haben.
"Na, dann versuchen Sie mal, sie zu öffnen", sagt Frau Bezelmann mit zusammengekniffenen Lippen. "Sie öffnen? Aber... hm... das... das geht doch nicht...", erwidert der Chef erstaunt. "Sehen Sie!" sagt Frau Bezelmann in einem Tonfall, der jede Weiterführung der Diskussion unmöglich macht. Es ist heiß heute, so richtig heiß. Gerade als ich wieder vor meiner Bürotüre angelangt bin, kommt eine Blondine auf Inline-Skates den Gang entlang gefahren. Ich meine eine RICHTIGE Blondine, mit wallendem goldglänzendem Haar, klasse Figur und bauchfreiem Top. Daß es sich um eine RICHTIGE Blondine handelt, erkennt man sofort an den blutrot lackierten Fingernägeln und dem schwarzen Haaransatz. Ich ducke mich in meine offene Bürotüre, um einer etwaigen Kollision vorsorglich aus dem Weg zu gehen, aber die Blondine fängt sich geschickt am Türpfosten ab und schenkt mir ein strahlendes Lächeln aus tief- nein, nicht -blauen, sondern tief-braunen Augen.
Ich kann es nicht leugnen und frage, was ihr Begehr ist.
Ich werfe einen Blick auf das elektronische Thermometer an der Fensterscheibe; 48 Grad Raumtemperatur zeigt
es an. Soviel ich weiß, treten Fata Morganen (ist das der korrekte Plural?) nur in wüstenartiger Umgebung
auf. Ein Hitzekoller? Eine plötzliche Erleuchtung?
Die Blondine guckt mich verwundert an.
Kollege Murnau ist unser Psycho-Spezialist. Was er an einem technischen Institut wie dem unseren zu suchen hat, wissen allein die Götter. Aber er hält fleissig Vorlesungen über alle möglichen Psycho- Themen: Psycho-Akustik, Psycho-Physik, Psycho-Dermatologie, usw., die sich alle großer Beliebtheit als Nebenfächer erfreuen.
vermißt? Ich meine..." Ein verwunderter Blick aus tief-braunen Augen.
Ja, wieso eigentlich, frage ich mich ebenfalls.
"Ach so", sage ich erleichtert, "sozusagen als Anschauungsmaterial?" Die Blondine nickt.
Ich gebe ihr eine entsprechende Literaturangabe und sie rollt glücklich weiter in Richtung Bibliothek. Ob sie die Inline-Skates zum Referat auszieht, denke ich noch zerstreut und fahre die Schutzschilde wieder hoch. Es ist heiß heute. Hatte ich das schon bemerkt? Richtig heiß... |