BASTARD ASS ( I ) FROM HELL
von Florian Schiel
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T e i l 17 |
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B.A.f.H.
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Heute ist mal wieder Besuch angesagt. Da hilft auch der Schutzschild nichts mehr. SCHWAFEL steht für 'Self Constructing Hyper Wavelet Algorithms For Extrapolating Linguistics'. Genauso gräßlich wie der Titel ist auch das ganze Projekt. Übrigens weiß bis heute niemand, warum ein von der Bundesregierung gefördertes Projekt mit ausschließlich deutschen Projektpartnern einen englischen Titel haben muß. Herr Doktor Vogel ist Hanseate, wie er mir innerhalb der ersten 20 Sekunden erklärt, und außerdem
mit einem erstaunlichen Selbstbewußtsein ausgestattet. Er ist sehr groß, dünn und hat einen weit
vorgestreckten Hals, auf dem ein langgezogener Schädel hin und herpendelt. Das längliche Gesicht mit
der hohen Stirn wird noch betont durch einen schütteren Ziegenbart, der sich beim Lachen etwas sträubt.
Die erste Stunde unseres 'Arbeitstreffens' lasse ich ausschließlich Herrn Vogel reden. Dann sage ich:
und höre ihm die ganze zweite Stunde lang aufmerksam zu. Als nach der dritten Stunde noch keinerlei Anzeichen von Heiserkeit bei Herrn Doktor Vogel festzustellen sind, schlage ich vor, daß wir das Arbeitstreffen doch bei einem Arbeitsessen fortsetzen könnten. Herr Doktor Vogel ist einverstanden und redet weiter. Allerdings nützt er die Gelegenheit nunmehr dazu, um von fachlichen Themen auf persönliche umzusteigen. Auf diese Weise erfahre ich auf dem Weg zum Lift, daß er nicht nur fachlich brillant ist, sondern auch im Privaten genau die Persönlichkeit darstellt, die ich schon immer kennenlernen wollte. Er ist natürlich außerordentlich sportlich, spricht 5 Sprachen fließend und hat ein Segelboot an der Elbe. In der Intimität der Liftkabine wechselt Herr Doktor Vogel zum Thema Frauen über:
Die Türe schließt sich und der Lift fährt wieder ruckend an. Ebenso setzt Herr Doktor Vogel unbekümmert die Darstellung seiner libidinösen Vorzüge fort. Mariannes Augen werden immer größer und sie preßt sich immer weiter ihre Ecke.
Ich gucke Marianne an, Marianne guckt mich an. Herr Doktor Vogel guckt von mir zu Marianne, als ob er ihre Gegenwart erst jetzt zur Kenntnis nehmen würde.
Marianne wird erst knallrot, dann blaß.
"Entschldgnsimushiaraus", nuschelt sie und schlängelt sich wie ein Aal durch den Türspalt. Herr Doktor Vogel schaut mich triumphierend an.
Herr Doktor Vogel beginnt mich nun doch zu interessieren. Es reizt mich herauszufinden, wie weit sein Selbstbewußtsein geht. Als wir aus dem Uni-Gebäude auf die belebte Strasse treten, strahlt die Sonne vom föhnig-blauen Sommerhimmel.
Herr Doktor Vogel nickt beifällig lächelnd und segnet mit sanftem Blick die ganze Schöpfung,
die im zu Füßen liegt. Erstaunlich!
"Tatsächlich?" sagt Herr Doktor Vogel erfreut, bleibt für einen Moment stehen und betrachtet wohlgefällig das weißblaue Rautenmuster. Es ist nicht zu fassen! In unserem Stammlokal erklärt Herr Doktor Vogel zunächst den gesamten Inhalt der Speisekarte für
ungesund und schwer bekömmlich, bestellt schließlich doch die Schweinshaxe und erklärt, als er
sie schließlich vor sich auf dem Teller hat, der genervten Bedienung detailiert, was seiner Meinung nach
bei der Zubereitung des 'Eisbeins' alles schiefgegangen sei.
Ich drehe mich unauffällig um, kann aber beim besten Willen weit und breit kein Mädchen entdecken.
Bevor ich noch fragen kann, welches Mädchen er denn meine, ist er schon aufgesprungen und rückt sich
die karierte Fliege vor seinem überdeutlichen Adamsapfel zurecht. Gerade noch rechtzeitig merke ich, daß
er Frankie ansteuert, der wie immer um diese Zeit seine Berliner Weiße an der Bar süffelt.
"Was können diese armen Geschöpfe denn schon dafür, daß sie bei meinem Anblick alle Hemmungen verlieren. Deshalb muß man sie doch nicht enttäuschen!" Einen Augenblick überlege ich, ob ich ihn zurück zu Frankie an die Bar lassen soll, dann kommt mir eine bessere Idee.
"Was für ein Empfang?" will Herr Doktor Vogel ungnädig wissen. "Aber... aber wieso wissen Sie das nicht?" wundere ich mich. "Die Institutsleitung mißt Ihrem offiziellen Besuch hier in München so hohe Bedeutung bei, daß sie dem Rektor empfohlen hat, heute Nachmittag einen offiziellen Empfang zu Ihren Ehren zu veranstalten." Die Miene von Herrn Doktor Vogel hellt sich zusehends auf.
"Natürlich", meint Herr Doktor Vogel selbstbewußt, "das ist überhaupt kein Problem. Ich werde einfach improvisieren." "Bravo", rufe ich erleichtert, "da fällt mir aber ein Stein vom Herzen." Aber Herr Doktor Vogel winkt bescheiden ab.
"Aber eines muß ich Ihnen noch sagen", fahre ich ernst fort, "ich muß Sie gewissermaßen vorwarnen: Es gibt im Senat immer noch einen - nun sagen wir - etwas exotischen Professor, der immer wieder versucht, dem Redner ins Wort zu fallen. Unter uns gesagt, es sind halt nicht mehr die allerjüngsten, unsere Ordinarien." "Total verkalkt, eh?" meint Herr Doktor Vogel beifällig lächelnd. "Nun ja, das will ich nicht gesagt haben", sage ich, "aber er ist eben bekannt dafür, daß er jeden Redner bei allen Gelegenheiten zu unterbrechen versucht. Dieser besagte Professor sitzt normalerweise am Kopfende des Tisches; auch so eine Marotte von ihm: er will nur dort sitzen." Inzwischen sind wir im Uni-Hauptgebäude angelangt und stehen vor den hohen Flügeltüren mit dem goldenen Schild 'Senatssaal'. Herr Doktor Vogel zupft sich die Fliege zurecht.
Lassen Sie sich durch ihn nicht ablenken, auch wenn er schreit oder droht. Das ist ganz normal." Ich öffne die Türe eine Spalt und schiebe den Herrn Doktor Vogel in die gemächlich vor sich hindümpelnde 467. Sitzung der Haushaltskommission. Ich sehe noch wie Prof. Kürfaß, der Vorsitzende, ein ganz scharfer Hund, überrascht ob der Störung von seinen Papieren aufblickt. Dann schließt sich die Türe mit schicksalhaftem Knall hinter Herrn Doktor Vogel. Später, in meinem Büro, ruft mich ein Arzt aus der psychatrischen Universitätsklinik an.
Der freundliche Arzt beruhigt mich:
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