B.A.f.H. 46 |
Obwohl Montag ist, bin ich heute ausnahmsweise guter Laune. Der
Grund? Mein Auto hat wieder einmal versucht, mich 'reinzulegen. Und
diesmal auf so raffinierte Weise, daß es meine angeborene Vorliebe für
die Tücke des Objekts entfacht hat!
Ich schleiche also heute Morgen (so gegen elf Uhr) schlaftrunken auf
die Straße und suche mein Auto. Zuerst denke ich, ein geistig
umnachteter Automarder hat mich endlich von dieser Schrottkiste
befreit, da entdecke ich es - keine 10 Schritte entfernt. Es ist so
dreckig, daß sich die Farbe perfekt dem grauen Asphalt angepaßt hat.
Damit das nicht wieder vorkommt, fahre ich gemütlich - es ist ja noch
früh am Tage - zur nächsten Autowaschanlage. Es ist eine von diesen
modernen Dingern, wo man im Wagen sitzen bleibt und langsam
durchgeschleust wird. Ich kurbele also das Fenster runter, stecke den
Chip in die Maschine und drücke den Startknopf. Die Tore schließen
automatisch hinter mir und auf der Motorhaube beginnt es bereits zu
schäumen. Ich kurbele schnell das Fenster wieder hoch, als sich
plötzlich - Knackknirsch - die Kurbel festfrißt. Das Fenster ist noch
zwei Drittel offen und die Shampoo-Düsen kommen unerbittlich auf
mich zu. An Flucht ist nicht zu denken. Ich sitze in der Falle, und mein
Wagen quietscht triumphierend mit dem Keilriemen.
In Nullkommanix werde ich eingeseift. Obwohl ich fast nichts mehr
sehen kann - das Auto-Shampoo brennt übrigens gräßlich in den Augen
-, gelingt es mir, die Fußmatte heraufzuangeln und gegen die Öffnung
zu pressen. Die riesige Drehbürste walzt über mich hinweg wie ein
Tornado aus 'Twisters'. Mühelos saugt sie mir die glitschige Fußmatte
aus den Händen, und die Matte verschwindet irgendwo im
Schaumchaos.
Ich erspare euch die restlichen Waschgänge. Allerdings bin ich mir
ziemlich sicher, daß ich in Zukunft auf Heißwachs verzichten werde!
Endlich wird das Auto mit einem Ruck in die Trockenzone befördert.
'Glanztrocknen' blinkt es in großer freundlicher Leuchtschrift durch
das offene Fenster. Ein wahrer Taifun - eiskalt übrigens - kehrt im
Wageninneren das Unterste zuoberst. Bonbonpapiere, vertrocknete
Apfelbutzen, alte Handschuhe, Brotkrumen, ein halbes Reparaturbuch,
eine zerfetzte McDonalds-Tüte, ein paar Dutzend ungebrauchte
Papiertaschentücher und mindestens drei gebrauchte umkreisen meinen
Kopf. Der Wind zerrt an meinem Haar und heult mir in die Ohren.
Endlich gibt mich die Folterkammer frei und ich torkele erschöpft aus
dem Wagen. Das B.C.f.H. (Bastard Car from Hell) hechelt im Leerlauf
und grinst mich mit seinen Scheinwerfern hämisch an. Es schaut so
durchtrieben unschuldig, daß ich unwillkürlich laut lachen muß. Zwei
knackige Mädchen in einem dunkelgrünen Mini, die gerade zur
Zapfsäule heranrollen, geben bei meinem Anblick erschrocken Gas und
suchen das Weite.
Nun ja. Inzwischen steht mein Auto in der Tiefgarage und denkt sich
neue Schandtaten aus. Und ich muß mich mit den Technikern der
Telekom herumschlagen. Die Deutsche Telekom ist an sich eine
wunderbare Organisation; sie hat nur einen kleinen Fehler: es gibt viel
zuviele interne Telefonnummern.
Ganz klar: wenn eine Firma nur 2 oder 3 Servicenummern hat, wird
man früher oder später an die richtige weitervermittelt. Die Telekom hat
ganz offensichtlich Tausende von Servicenummern - wohl in der
irrigen Annahme, daß damit auch die Serviceleistung proportional
gesteigert würde. Natürlich ist das ein fataler Irrtum. Denn auch die
Angestellten der Telekom selber kommen mit einer solchen Vielfalt von
Nummern einfach nicht mehr zurecht.
Ich rufe Marianne und den Kollegen O. in mein Büro und erkläre die
Sachlage: So und so. Der ISDN-Anschluß vom Labor 3 muß in den
Rechnerraum im ersten Stock verlegt werden.
Kollege O. tippt auf 9; Marianne entscheidet sich nach kurzen Zögern
für 6, und ich tippe auf 7.
Dann schalte ich den Lautsprecher ein und wähle die allgemeine
Service-Nummer der Telekom.
Zwanzig Minuten später wird es spannend: man hat uns an die sechste
Stelle vermittelt. Aber auch diese kann es nicht begreifen, "...wieso der
Kollege Sie ausgerechnet mit mir verbunden hat. Hier sind Sie ja ganz
falsch. Sie müssen zum Großkunden-Service. Warten Sie, ich verbinde
Sie mal weiter..."
Ich grinse befriedigt, und Marianne zieht einen Schnute.
Aber leider ist der "...Großkunden-Service im Prinzip richtig. Aber Sie
sind beim falschen Buchstaben gelandet. Wir sind nur zuständig für die
Buchstaben A bis einschließlich H. Aber ich kann Sie mit der richtigen
Nummer verbinden..."
Es bleibt bei 8. Kollege O. und ich teilen uns Mariannes Einsatz.
Zwei Monate später steht tatsächlich ein Techniker vor meiner Türe.
"Jo, wo is denn jetzt der Gabelganal?"
Der Techniker ist Franke, wie unschwer zu hören ist.
"Un' des Bädschfeld? Wo ham Se denn des Bädschfeld mondierd?"
Ich zeige ihm Kabelkanal und das Patch-Feld, und er werkelt eine
Stunde vor sich hin. Dann kommt er, um sich den Auftrag von mir
abzeichnen zu lassen. Plötzlich stutzt er, den Bleistift unentschlossen in
der Hand:
"Jo, wie schreibd ma denn eigendlich Bädschen? Mid hadde oda
weiche B?"
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