BASTARD ASS ( I ) FROM HELL
von Florian Schiel
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T e i l 5 |
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B.A.f.H.
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Es ist 14 Uhr vorbei und ich sitze wie jedermann um diese Zeit bei geöffneter Türe in meinem Büro und warte, daß der Chef seine Runde macht.
"Bei uns gibt es keine Geheimnisse. Deshalb stehen unsere Bürotüren immer OFFEN." Die ausländischen Gäste bewundern dann höflich lächelnd (die Chinesen) oder auch weniger höflich lächelnd (die Russen) unsere OFFENEN Türen und fragen sich, hinter welcher verdammten OFFENEN Türe es jetzt endlich was zu trinken gibt. Sobald der Chef sich nach seinem Rundgang wieder in seinem Büro verzogen hat, schließt jeder schleunigst seine OFFENE Türe hinter sich, damit er nicht andauernd die Studenten sehen muß, die müßig in den Gängen herumlungern und rauchen, haschen oder was Studenten halt sonst noch so den ganzen Tag machen. Heute hat sich der Chef verspätet. Oder.... Mit einem Satz bin ich an der Türe und ziehe an der roten Schnur, die dort für solche Fälle bereithängt.
Der Stapel leerer Computerkartonagen, den ich kunstvoll auf einem der Aktenschränke im Gang installiert habe,
stürzt ein wie ein gesprengtes Hochhaus. Leider fällt sie nicht auch noch in Ohnmacht - diesmal also keine Wiederbelebungsmaßnahmen.
Sie ist vor Schreck ganz bleich unter ihrem Makeup und ihr ... äh ... Kaum ist sie weg, reißt mich das Telefon aus meinen angenehmen Tagträumen. Ich bin so guter Laune; also hebe ich ab.
Ich lege auf. Schlechte Manieren sind mir ein Greul. Nicht mal 'Guten Tag' hat er gesagt. Das Telefon klingelt wieder. Da sich meine gute Laune hartnäckig hält - ich wundere mich selber! - hebe ich noch einmal ab.
LEUGNEN IST ZWECKLOS! GEBEN SIE ES ZU!" "Sie sind mit dem Anschluß 897-5674 verbunden", sage ich mit monotoner Stimme. "Leider bin ich im Moment nicht erreichbar. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Piepston. Ich rufe dann sobald als möglich zurück." Ich drücke die Null für den Piepston und warte.
Diese Faxgeschichte von gestern wird noch ein Nachspiel haben! Das garantiere ich Ihnen!!" Der Hörer kracht auf die Gabel. Leitner? Der Name kommt mir bekannt vor. Ich schaue in den Web- Server der Uni und suche nach Leitner. Als kleinen Vorgeschmack schicke ich den Kernel meiner Workstation - immerhin 8 MB - 199mal über den anonymen Email-Server in Finnland an die Emailadresse des Kanzlers. Außerdem starte ich einen Cronjob, der diese Prozedur in unregelmäßigen Abständen wiederholt. Als nächstes suche ich in der illegalen Autokennzeichen-Datenbasis im Internet nach 'Leitner F.'. Als nächstes schicke ich ein hübsches kleines Skript per rsh auf die Reise, das den altersschwachen
Verwaltungsrechner der RKFH ('ReiseKostenstelle From Heaven' - das war aber jetzt das letzte Mal. Zu guter Letzt vertausche ich im Telefoncomputer der Uni meine Nummer mit der des Sekretariats vom Rektor. Es war sowieso mal wieder an der Zeit, meine Nummer zu ändern. Viel zu viele Anrufe in der letzten Zeit...!
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